5,3 Prozent: So hoch ist jede der drei Glücksspielsteuern, die das Rennwett- und Lotteriegesetz für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten festlegt (Wortlaut abgerufen am 24. September 2026). Wer muss also Gewinne aus dem Online-Casino versteuern? Die Glücksspielsteuer schuldet der Veranstalter, nicht der Spieler, und sie wird vom Einsatz berechnet, nicht vom Gewinn. Eine eigene Gewinnsteuer für Spieler sieht das deutsche Recht nicht vor.
Ob ein Gewinn trotzdem bei der Einkommensteuer eine Rolle spielt, ist eine zweite, getrennte Frage. Die Antwort hängt davon ab, ob das Spielen unter eine der gesetzlichen Einkunftsarten fällt; bei Poker hat der Bundesfinanzhof das in drei Urteilen geprüft. Jede Aussage in diesem Beitrag verweist auf die Norm oder das Urteil und nennt den Stand der Quelle.
Stand der Angaben: 24. September 2026.
Wer zahlt die Glücksspielsteuer?
Der Veranstalter. Die Finanzverwaltung formuliert es für jede der drei Steuern gleich, etwa so: „Steuerschuldner ist der Veranstalter der virtuellen Automatenspiele.“ Derselbe Satz steht dort für Online-Poker und für Sportwetten. So erläutert es der Senator für Finanzen Bremen (abgerufen am 24. September 2026). Das Rennwett- und Lotteriegesetz ist Bundesrecht; die Bremer Seite ist ein Beispiel dafür, wie die Finanzverwaltung es anwendet.
Auch das Verfahren liegt beim Veranstalter. Er berechnet die Steuer selbst und meldet sie für jeden Kalendermonat an, und zwar „bis zum 15. Tag nach Ablauf des Anmeldungszeitraums“. Zum selben Termin ist sie zu zahlen.
Für Spieler folgt daraus keine Pflicht.
Gemeint ist damit der Anbieter des Spiels. In Deutschland braucht er dafür eine Erlaubnis nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021, und teilnehmen dürfen nur Erwachsene: Glücksspiel ist in Deutschland erst ab 18 Jahren erlaubt (§ 4 Abs. 3, § 6e Abs. 3 GlüStV 2021). Wie Erlaubnis, Aufsicht und Spielerschutz zusammenhängen, zeigt der Überblick was der Glücksspielstaatsvertrag 2021 insgesamt regelt.
Welche Steuern gibt es auf Online-Glücksspiel?
Das Rennwett- und Lotteriegesetz (RennwLottG) kennt für Online-Glücksspiel drei Steuern mit demselben Satz. Unterschiedlich ist jeweils nur die Spielform, die sie erfassen.
| Steuer | RennwLottG | Bemessungsgrundlage | Satz |
|---|---|---|---|
| Virtuelle Automatensteuer | §§ 36–38 | Spieleinsatz abzüglich der Steuer | 5,3 % |
| Online-Pokersteuer | §§ 47–48 | Spieleinsatz abzüglich der Steuer | 5,3 % |
| Sportwettensteuer | §§ 17–18 | Wetteinsatz abzüglich der Steuer | 5,3 % |
§ 38 ist eindeutig: „Die Virtuelle Automatensteuer beträgt 5,3 Prozent der Bemessungsgrundlage nach § 37.“ Nach § 37 RennwLottG ist das der „geleistete Spieleinsatz abzüglich der Virtuellen Automatensteuer“. Die Steuer steckt also im Einsatz und wird herausgerechnet. Aus einem Einsatz von 100 Euro ergibt sich rechnerisch eine Steuer von rund 5,03 Euro, nicht von 5,30 Euro (eigene Beispielrechnung: 100 × 5,3 ÷ 105,3). Bei der Online-Pokersteuer und der Sportwettensteuer wird die Grundlage genauso ermittelt (§ 47 Abs. 1, § 17 Abs. 1). Wird ein Wetteinsatz zurückgezahlt, etwa weil das Sportereignis nicht stattfindet, mindert das die Bemessungsgrundlage (§ 17 Abs. 2).
Der Gewinn des Spielers kommt in keiner dieser Formeln vor.
Online-Casinospiele wie Roulette oder Blackjack nennt diese Aufzählung nicht. Für sie gilt ein eigener, länderrechtlicher Rahmen, denn über ihre Zulassung entscheiden nach § 22c GlüStV 2021 die Länder. Eine Aussage über deren Besteuerung trifft dieser Beitrag nicht. Worin sich die beiden Kategorien unterscheiden, erklärt der Beitrag worin sich Online-Casinospiele von virtuellen Automatenspielen unterscheiden.
Zum Vergleich: Für öffentliche Lotterien und Ausspielungen beträgt die Lotteriesteuer nach Angabe der Bremer Finanzverwaltung „20 vom Hundert“ der Bemessungsgrundlage. Steuerschuldner ist auch hier der Veranstalter.
Sind Casinogewinne steuerfrei?
So pauschal lässt sich das nicht beantworten, und genau deshalb lohnt der Blick auf die einzelnen Schritte. Eine eigene Steuer auf Gewinne von Spielern kennt das deutsche Recht nicht; die Glücksspielsteuern schuldet der Veranstalter. Ob ein Gewinn einkommensteuerpflichtig ist, richtet sich nach dem Einkommensteuergesetz. Im Einzelfall entscheidet das Finanzamt.
Die Prüfung verläuft in drei Schritten:
- Einkunftsart: Der Einkommensteuer unterliegen nur Einkünfte aus sieben Einkunftsarten, die § 2 Abs. 1 EStG aufzählt: Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständige Arbeit, nichtselbständige Arbeit, Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung sowie sonstige Einkünfte.
- Gewerbebetrieb: Für einen Gewerbebetrieb muss unter anderem eine Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr vorliegen. Bei reinen Glücksspielen verneint der Bundesfinanzhof genau dieses Merkmal, weil die Verknüpfung von Leistung und Gegenleistung fehlt (X R 26/21, Rz. 31).
- Ausnahme Poker: Poker ordnet der Bundesfinanzhof anders ein. Hier kann eine nachhaltige Tätigkeit die Grenze zum Gewerbebetrieb überschreiten.
Bei Automatenspielen, deren Ausgang allein vom Zufall abhängt, fehlt nach dieser Rechtsprechung also schon die Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr. Eine ausdrückliche Aussage der Finanzverwaltung, dass Gewinne privater Spieler grundsätzlich nicht besteuert werden, war in den ausgewerteten amtlichen Quellen bis zum Stand dieses Beitrags nicht zu finden. Die Antwort ergibt sich aus Gesetz und Rechtsprechung, nicht aus einer eigenen Befreiungsvorschrift.
Wann müssen Pokerspieler Gewinne versteuern?
Dann, wenn das Spielen in der Gesamtschau gewerblich ist. Eine feste Grenze nach Zahl der Spiele, Höhe der Gewinne oder Dauer gibt es dafür nicht. Drei Urteile des Bundesfinanzhofs markieren die Entwicklung.
- 25. Februar 2021, III R 67/18: Poker in Spielbanken und bei Turnieren. „Überschreitet die nachhaltige Betätigung eines Pokerspielers die Grenze zur Gewerblichkeit, macht es keinen Unterschied, ob der Spieler die Gewinne bei Pokerturnieren oder bei Spielen in Casinos erzielt.“ Gewerbesteuer setzt zusätzlich eine Betriebsstätte im Inland voraus.
- 22. Februar 2023, X R 8/21: Online-Poker in der Variante Texas Hold'em. Auch diese Gewinne „können als Einkünfte aus Gewerbebetrieb der Einkommensteuer unterliegen“.
- 2. April 2025, X R 26/21: Dasselbe gilt für die Variante Pot Limit Omaha, und zwar „unter besonderen Voraussetzungen“.
Warum Poker anders behandelt wird als Automatenspiele, begründet das Gericht mit dem Einfluss des Spielers. Poker sei „durch eine Fülle von Handlungsmöglichkeiten der Spieler geprägt, die den Spielausgang in erheblichem Umfang beeinflussen können“ (X R 8/21, Rz. 12). Wo Können das Ergebnis mitbestimmt, ist eine Tätigkeit am Markt denkbar.
Entscheidend ist, wie der zweite Leitsatz von X R 8/21 abgrenzt. Auf der einen Seite steht, wer „private Spielbedürfnisse gleich einem Freizeit- oder Hobbyspieler“ befriedigt. Auf der anderen Seite steht, bei wem „in der Gesamtschau strukturell-gewerbliche Aspekte entscheidend in den Vordergrund rücken“. Nur im zweiten Fall liegen Einkünfte aus Gewerbebetrieb vor.
Wie das in der Praxis aussah, zeigt der entschiedene Fall selbst. Der Kläger hatte das Online-Angebot planmäßig genutzt, in fünf Jahren mehr als 784.000 Spiele absolviert und sowohl seine Einsätze als auch den Zeitaufwand gesteigert. Das ist eine Beschreibung dieses Falls, keine Schwelle. Als Betriebsstätte genügt nach dem dritten Leitsatz schon der Raum, in dem der Computer steht, von dem aus der Spieler spielt – sofern er über diesen Raum nicht nur vorübergehend verfügt.
Den Ausschlag gibt stets die Gesamtschau.
Welche Steuern können nach einem Gewinn anfallen?
Steuerlich relevant wird ein Gewinn oft erst danach. Zwei Dinge sind dabei auseinanderzuhalten: der Gewinn selbst und das, was mit dem Geld anschließend geschieht.
Legen Sie einen Gewinn verzinslich an, sind die Zinsen Einkünfte aus Kapitalvermögen. § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG erfasst „Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art“, und das gilt unabhängig davon, woher das angelegte Geld stammt. Solche Erträge unterliegen der Besteuerung von Kapitalerträgen. Abgezogen wird ein Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro (§ 20 Abs. 9 Satz 1 EStG, Stand: 29. Juni 2026).
Geben Sie einen Teil des Gewinns an andere weiter, kann das eine Schenkung sein. Als Schenkung unter Lebenden gilt nach § 7 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG „jede freigebige Zuwendung unter Lebenden“, soweit der Bedachte dadurch bereichert wird. Ob dabei Schenkungsteuer entsteht, hängt vom Einzelfall ab.
Was das Gesetz tatsächlich regelt und was nicht
Das Rennwett- und Lotteriegesetz regelt drei Dinge: wer die Steuer schuldet, wovon sie berechnet wird und bis wann sie anzumelden ist. Adressat ist in allen drei Punkten der Veranstalter.
Wie ein Veranstalter die Steuer kalkuliert, regelt das Gesetz nicht. Ob und wie sie sich auf Quoten oder Auszahlungen auswirkt, lässt sich aus dem Gesetz nicht ablesen. Werbeaussagen wie „steuerfrei spielen“ finden im RennwLottG deshalb keine Stütze. Sie beschreiben allenfalls, dass der Spieler selbst keine Glücksspielsteuer anmeldet.
Getrennt sind auch die Zuständigkeiten. Die Glücksspielsteuern erhebt die Finanzverwaltung; die Erlaubnis und die laufende Kontrolle der Anbieter liegen bei den Glücksspielbehörden. Wer dort wofür zuständig ist, beschreibt der Beitrag welche Behörde Glücksspielanbieter beaufsichtigt.
Was Sie konkret tun können
Drei Schritte helfen, Gewinne aus Online-Casinos steuerlich richtig einzuordnen, ohne dass Sie Paragrafen auswendig kennen müssen.
- Unterscheiden Sie zwischen gelegentlichem Spiel und einer planmäßigen, dauerhaften Tätigkeit. Nur die zweite kann bei Poker zu Einkünften aus Gewerbebetrieb führen.
- Rechnen Sie bei Zinsen oder anderen Erträgen aus angelegten Gewinnen mit der Besteuerung von Kapitalerträgen.
- Klären Sie Zweifelsfälle mit dem Finanzamt oder einem Steuerberater, bevor Sie eine Erklärung abgeben.
Wenn durch Einsätze und Verluste Geld für notwendige Ausgaben fehlt, ist eine Beratung der nächste Schritt. Die Telefonberatung zur Glücksspielsucht des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) ist unter 0800 1 37 27 00 kostenfrei und anonym erreichbar, online unter check-dein-spiel.de. Weitere Hinweise bietet die Seite über verantwortungsvolles Spielen. Dieser Überblick zeigt, wer bei Online-Glücksspiel welche Steuer schuldet; eine steuerliche Beratung im Einzelfall ersetzt er nicht.
Häufige Fragen
Muss ich Gewinne aus einem Online-Casino in Deutschland versteuern?
Eine eigene Steuer auf Spielergewinne sieht das deutsche Recht nicht vor. Die Glücksspielsteuern von 5,3 Prozent schuldet der Veranstalter. Einkommensteuer fällt nur an, wenn das Spielen unter eine der sieben Einkunftsarten des § 2 EStG fällt. Bei reinen Glücksspielen verneint der Bundesfinanzhof den Gewerbebetrieb; im Einzelfall entscheidet das Finanzamt.
Wer zahlt die 5,3 Prozent Steuer auf Online-Glücksspiel?
Der Veranstalter. Für virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten ist er nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz jeweils Steuerschuldner. Er berechnet die Steuer selbst, meldet sie monatlich an und zahlt sie bis zum 15. Tag des Folgemonats. Spieler müssen dafür nichts anmelden.
Wird die Virtuelle Automatensteuer vom Gewinn oder vom Einsatz berechnet?
Vom Einsatz. Bemessungsgrundlage ist nach § 37 RennwLottG der geleistete Spieleinsatz abzüglich der Steuer selbst. Bei einem Einsatz von 100 Euro ergibt das rechnerisch rund 5,03 Euro Steuer. Ob der Spieler gewinnt oder verliert, spielt für die Berechnung keine Rolle.
Sind Pokergewinne steuerpflichtig?
Sie können es sein. Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Gewinne aus Poker in Spielbanken, bei Turnieren und online als Einkünfte aus Gewerbebetrieb der Einkommensteuer unterliegen können. Voraussetzung ist, dass in der Gesamtschau strukturell-gewerbliche Aspekte in den Vordergrund rücken. Wer wie ein Hobbyspieler spielt, erfüllt das nicht.
Ab wann gilt ein Pokerspieler als Berufsspieler?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Der Bundesfinanzhof stellt auf eine Gesamtschau ab, nicht auf eine bestimmte Zahl von Spielen oder eine Gewinnhöhe. Im Fall X R 8/21 hatte der Kläger in fünf Jahren mehr als 784.000 Spiele absolviert. Das beschreibt diesen Fall und ist keine Schwelle für andere.
Muss ich Zinsen auf einen Casinogewinn versteuern?
Zinsen aus angelegtem Geld sind Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG, unabhängig von der Herkunft des Geldes. Sie unterliegen der Besteuerung von Kapitalerträgen. Von den Kapitalerträgen wird nach § 20 Abs. 9 EStG ein Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro abgezogen.
Gilt die Sportwettensteuer auch für Spieler?
Nein. Steuerschuldner der Sportwettensteuer ist nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz der Veranstalter der Sportwette. Sie beträgt 5,3 Prozent des Wetteinsatzes abzüglich der Steuer selbst. Wird ein Wetteinsatz zurückgezahlt, etwa weil das Sportereignis ausfällt, mindert das die Bemessungsgrundlage. Wettende müssen die Sportwettensteuer weder anmelden noch zahlen.
Quellen
- Rennwett- und Lotteriegesetz, § 36, § 37, § 38 (Virtuelle Automatensteuer), § 47, § 48 (Online-Pokersteuer), § 17, § 18 (Sportwettensteuer) (abgerufen am 24.09.2026)
- Der Senator für Finanzen Bremen, Rennwett-, Sportwetten-, Lotterie-, Virtuelle Automaten- und Online-Pokersteuer (abgerufen am 24.09.2026)
- Einkommensteuergesetz, § 2 und § 20, zuletzt geändert am 29.06.2026 (abgerufen am 24.09.2026)
- Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, § 7, zuletzt geändert am 22.06.2026 (abgerufen am 24.09.2026)
- Bundesfinanzhof, Urteil vom 25.02.2021, III R 67/18 (abgerufen am 24.09.2026)
- Bundesfinanzhof, Urteil vom 22.02.2023, X R 8/21 (abgerufen am 24.09.2026)
- Bundesfinanzhof, Urteil vom 02.04.2025, X R 26/21 (abgerufen am 24.09.2026)
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), check-dein-spiel.de: Telefonberatung 0800 1 37 27 00 (abgerufen am 24.09.2026)