Rund 13,3 Milliarden Euro Bruttospielertrag: So groß war der deutsche Glücksspielmarkt im Jahr 2022, laut Zwischenbericht der Länder vom 31. Januar 2024. Davon entfielen 94 Prozent auf erlaubte Anbieter. Im Online-Segment lag der regulierte Anteil 2024 bei rund 77 Prozent. Und laut Glücksspiel-Survey 2025 hat gut jede dritte befragte Person in den vorangegangenen zwölf Monaten um Geld gespielt.

Jede Glücksspiel-Statistik für Deutschland beantwortet allerdings nur eine Teilfrage. Die GGL zählt Einsätze, die Länder messen Bruttospielerträge, Forschungsinstitute befragen die Bevölkerung. Jede dieser Kennzahlen hat einen anderen Herausgeber, einen anderen Zeitraum und eine andere Einheit. Dieser Beitrag ordnet die Zahlen und zeigt, was sich aus ihnen ablesen lässt und was nicht.

Alle Angaben geben den Stand vom 24. September 2026 wieder.

Einsatz oder Bruttospielertrag: Welche Zahl misst was?

Der Spieleinsatz ist das Geld, das auf eine Wette oder ein Spiel gesetzt wird. Der Bruttospielertrag ist das, was nach Auszahlung der Gewinne beim Anbieter verbleibt.

Einsätze fallen deshalb immer höher aus als der Bruttospielertrag. Ein gewonnener Betrag, der sofort erneut gesetzt wird, taucht in der Einsatzstatistik ein zweites Mal auf. Einsätze sind also kein Maß für das Geld, das Spieler verlieren. Die Verwechslung liegt nahe. Sie führt aber zu falschen Schlüssen.

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) berichtet seit August 2025 vierteljährlich über Einsätze. Das Marktvolumen insgesamt geben die Jahresreports der Länder und der Zwischenbericht zur Evaluation des Staatsvertrags in Bruttospielerträgen an. Welche Behörde welche Aufgabe hat und auf welcher Rechtsgrundlage sie handelt, erklärt der Überblick zum Glücksspielrecht in Deutschland.

Wie viel wird in Deutschland gesetzt? Der Marktmonitor der GGL

Im Marktmonitor veröffentlicht die GGL die Spiel- und Wetteinsätze bei den Glücksspielen in ihrer Zuständigkeit. Die Zahlen melden die Anbieter mit Erlaubnis selbst; angegeben sind sie in Millionen Euro. Die letzte Aktualisierung vom 12. August 2026 umfasst Daten bis zum zweiten Quartal 2026.

Einsätze in Mio. €Q1 2025Q2 2025Q3 2025Q4 2025Q1 2026Q2 2026
Sportwetten stationär585494476613622512
Sportwetten online1.5941.3911.3991.7051.8091.711
Virtuelle Automatenspiele1.0991.1151.1211.2311.2011.214
Online-Poker210190192194186158
Pferdewetten im Internet253233262328
Gesamt3.5133.2223.2233.7683.8423.624
davon online2.9282.7282.7463.1563.2203.112

Quelle: GGL-Marktmonitor, länderübergreifende gefährliche Glücksspiele, Stand 12.08.2026. Rundungsdifferenzen sind nach Angabe der Behörde möglich.

Zusammengerechnet ergeben die vier Quartale 2025 Einsätze von 13.726 Mio. € (eigene Berechnung auf Basis des GGL-Marktmonitors). Rund 84 Prozent davon, 11.558 Mio. €, wurden online gesetzt. Auf virtuelle Automatenspiele entfielen 4.566 Mio. €. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die Einsätze mit 7.466 Mio. € um 10,9 Prozent über dem ersten Halbjahr 2025. Den deutlichsten Rückgang zeigt Online-Poker: von 190 Mio. € im zweiten Quartal 2025 auf 158 Mio. € ein Jahr später. Auch die Pferdewetten im Internet lagen mit 28 Mio. € unter dem Vorjahresquartal (32 Mio. €).

Die länderübergreifenden Lotterien führt der Marktmonitor in einer eigenen Tabelle. Klassen- und Soziallotterien kamen 2025 zusammen auf 1.502 Mio. € Einsätze; den weitaus größten Teil machten die Soziallotterien aus. Die gewerbliche Spielvermittlung steht dort in einer gesonderten Zeile und ist nicht Teil dieser Summe. In der Gesamtzeile der ersten Tabelle sind die Lotterien nicht enthalten.

Was der Marktmonitor nicht erfasst

Der Marktmonitor bildet nur Glücksspiele ab, die in der Zuständigkeit der GGL liegen. Die Lotterien des Deutschen Lotto- und Totoblocks, Spielbanken, Spielhallen und die von den Ländern erlaubten Online-Casinospiele erscheinen dort also nicht. Wer die Summe aus dem Marktmonitor als Umsatz des gesamten Glücksspielmarkts liest, unterschätzt ihn.

Wie breit das erlaubte Online-Angebot ist, zeigt die Whitelist der GGL. Mit Stand vom 7. September 2026 verzeichnet sie 166 Anbieter. Darunter sind 27 mit Erlaubnis für Sportwetten, 34 für virtuelle Automatenspiele und jeweils 5 für Online-Poker und für Online-Casinospiele.

Der Gesamtmarkt: 13,3 Milliarden Euro im Jahr 2022

Für den gesamten Markt gibt es eine andere Quelle. Der Zwischenbericht der Länder zur Evaluation des Glücksspielstaatsvertrags vom 31. Januar 2024 beziffert den deutschen Glücksspielmarkt 2022 auf 13,3 Mrd. € Bruttospielertrag. Das waren 3,2 Mrd. € mehr als im Vorjahr. Für 2021 nennen die Jahresreports der Glücksspielaufsichtsbehörden 10.119 Mio. €.

Erlaubter Markt 2022BruttospielertragAnteil
Geldspielgeräte4,8 Mrd. €38 %
Lotterien des DLTB4,1 Mrd. €32 %
Sportwetten1,3 Mrd. €11 %
Spielbanken1,1 Mrd. €9 %
Klassen-, Sozial- und Sparlotterien1,1 Mrd. €9 %
Virtuelle Automatenspiele und Online-Poker0,1 Mrd. €0,4 %
Erlaubter Markt gesamt12,5 Mrd. €100 %

Quelle: Zwischenbericht der Länder zur Evaluation gemäß § 32 GlüStV 2021, Tabelle 1. Die Anteile sind gerundet.

Den erlaubten Markt trugen 2022 vor allem Geldspielgeräte und die Lotterien des DLTB, zusammen rund 70 Prozent. Virtuelle Automatenspiele und Online-Poker spielten beim Bruttospielertrag kaum eine Rolle. Erst seit dem 1. Juli 2021 sind sie in Deutschland erlaubnisfähig, 2022 war das erste volle Jahr.

Mit dem Marktmonitor 2025 lassen sich diese Werte nicht vergleichen: andere Größe, anderes Jahr, kleinerer Ausschnitt. Jahresreports liegen für die Jahre 2017 bis 2022 vor. Zahlen zum Gesamtmarkt nach Bruttospielertrag sind für die Zeit danach bislang nicht veröffentlicht.

Kanalisierung: zwei Zahlen, zwei Märkte

Kanalisierung bezeichnet den Anteil des Glücksspiels, der bei erlaubten Anbietern stattfindet. Für Deutschland gibt es zwei amtliche Werte, und sie lassen sich nicht zu einer Zeitreihe verbinden.

Der erste stammt aus dem Zwischenbericht der Länder. 2022 entfielen 12,5 Mrd. € des Bruttospielertrags auf erlaubte und rund 0,8 Mrd. € auf unerlaubte Angebote, ein Verhältnis von 94 zu 6 Prozent. Für den unerlaubten Markt nennt der Bericht einen Schätzwert von 815 Mio. €. Im Jahr davor lag das Verhältnis bei 93 zu 7. Diese Werte beziehen sich auf den gesamten Markt, einschließlich Lotto, Spielhallen und Spielbanken.

Der zweite Wert betrifft nur das Online-Glücksspiel. Nach einer Studie des Blockchain Research Lab im Auftrag der GGL entfielen 2024 77,03 Prozent des Marktvolumens auf regulierte und 22,97 Prozent auf unerlaubte Angebote. Die GGL hat das Ergebnis am 16. März 2026 vorgestellt. Grundlage war eine Befragung von Spielern. Nach Angaben der Behörde bestätigt das Ergebnis ihre eigene referenzwertbasierte Analyse.

Beide Zahlen messen unterschiedliche Märkte. Im Gesamtmarkt zählen Lotterien, Spielhallen und Spielbanken mit, im Online-Segment nicht. Dazu kommen zwei Jahre Abstand und eine andere Methode, denn die Online-Zahl beruht auf einer Befragung. Einen Rückgang von 94 auf 77 Prozent belegen die beiden Werte deshalb nicht. Für das Jahr 2025 hat die GGL im Tätigkeitsbericht 2025 vom 3. Juli 2026 keinen eigenen Kanalisierungswert veröffentlicht. Die Zahlen für 2022 stammen aus der Evaluation des Staatsvertrags. Ein eigener Beitrag erklärt, wie der Glücksspielstaatsvertrag evaluiert und überarbeitet wird.

Wie viele Menschen spielen und wie viele haben eine Glücksspielstörung?

Wie verbreitet Glücksspiel in der Bevölkerung ist, misst der Glücksspiel-Survey 2025 des ISD Hamburg und der Universität Bremen, veröffentlicht im März 2026. Befragt wurden 12.340 Personen zwischen August und November 2025. Von den Befragten haben 36,4 Prozent in den zwölf Monaten vor der Befragung mindestens einmal um Geld gespielt, Männer mit 40,4 Prozent häufiger als Frauen mit 32,4 Prozent.

SpielformTeilnahme in den letzten 12 Monaten
Lotto 6aus4918,3 %
Rubbellose8,4 %
Sportwetten mit festen Quoten2,6 %
Geldspielautomaten2,0 %
Online-Automatenspiele0,7 %

Quelle: Glücksspiel-Survey 2025, ausgewählte Spielformen.

Die Kriterien einer Glücksspielstörung nach dem Diagnosesystem DSM-5 erfüllen 2,2 Prozent der 18- bis 70-Jährigen. Auf eine leichte Ausprägung entfallen 0,9 Prozent, auf eine mittlere und eine schwere jeweils 0,6 Prozent. Weitere 5,5 Prozent zeigen ein riskantes Spielverhalten. Im Zeitverlauf hat sich der Wert kaum verändert: 2,3 Prozent im Jahr 2021, 2,4 Prozent im Jahr 2023, 2,2 Prozent im Jahr 2025. Die Autoren sprechen von einem „im Großen und Ganzen stabilen Glücksspielverhalten“.

An Online-Automatenspielen nehmen nur 0,7 Prozent der Befragten teil, doch von diesen Spielern erfüllen 32,5 Prozent die Kriterien einer Glücksspielstörung. Bei Geldspielautomaten sind es 28,1 Prozent, bei Live-Sportwetten 27,0 Prozent. Eine absolute Zahl von Betroffenen nennt die Studie nicht.

Anzeichen, Selbsttests und Beratungsangebote behandelt der Beitrag Hilfe bei Glücksspielsucht. Wer für sich oder Angehörige schon jetzt Unterstützung sucht: Die Telefonberatung zur Glücksspielsucht des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) ist unter 0800 1 37 27 00 kostenlos und anonym erreichbar, online über check-dein-spiel.de. Grundsätze für verantwortungsvolles Spielen sind auf einer eigenen Seite zusammengefasst.

Was der Staat an Glücksspielsteuern einnimmt

Das Steueraufkommen gibt einen indirekten Hinweis auf die Größe des erlaubten Marktes. Die Rennwett- und Lotteriesteuer brachte dem Staat 2025 laut Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums 2.463 Mio. € ein, 0,9 Prozent weniger als 2024.

Die jüngste Aufschlüsselung nach Steuerarten betrifft das Jahr 2023. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts betrugen die Einnahmen damals 2,48 Mrd. €, davon 1,77 Mrd. € Lotteriesteuer und 409 Mio. € Sportwettensteuer. Die Steuer auf virtuelle Automatenspiele ergab 264 Mio. €, 38,5 Prozent weniger als 2022. Auf Online-Poker entfielen 30 Mio. €. Beide Steuern werden erst seit dem 1. Juli 2021 erhoben. Steuerschuldner ist bei diesen Spielformen der Anbieter, nicht der Spieler.

Was die Aufsicht tatsächlich misst und was nicht

Maßgeblich ist, welche Kennzahl eine Behörde veröffentlicht und auf welches Jahr sie sich bezieht.

KennzahlQuelleZeitraumZeigt nicht
Spiel- und WetteinsätzeGGL-MarktmonitorQ1 2025 bis Q2 2026Verluste, Lotto, Spielhallen
Bruttospielertrag gesamtZwischenbericht der Länder2022Entwicklung nach 2022
Kanalisierung GesamtmarktZwischenbericht der Länder2022Online-Segment allein
Kanalisierung onlineStudie im Auftrag der GGL2024Gesamtmarkt, 2025
Teilnahme und StörungGlücksspiel-Survey2025absolute Zahl Betroffener
SteueraufkommenBMF, Destatis2025 bzw. 2023Einnahmen der Anbieter

Einige Fragen beantwortet keine dieser Statistiken. Marktanteile einzelner Anbieter veröffentlicht die Aufsicht nicht, Aussagen über Marktführer sind deshalb nicht belegbar. Aktuelle Zahlen zu Einträgen in der Sperrdatei OASIS ließen sich für diesen Beitrag keiner amtlichen Veröffentlichung entnehmen. Ob und wie stark die Werbung erlaubter Anbieter zur Kanalisierung beiträgt, lässt sich aus den Daten ebenfalls nicht ablesen. Welche Regeln für Glücksspielwerbung gelten, erklärt ein eigener Beitrag.

Glücksspiel-Statistiken richtig lesen: drei Prüffragen

Drei Fragen helfen bei jeder Glücksspiel-Statistik, die Ihnen in Nachrichten oder Werbung begegnet. Erstens: Geht es um Einsätze oder um Bruttospielertrag? Zweitens: Für welches Jahr gilt die Zahl, und für welchen Teil des Marktes? Drittens: Wer hat sie erhoben – eine Behörde, ein Forschungsinstitut oder ein Branchenverband?

Lässt sich eine dieser Fragen nicht beantworten, ist die Zahl mit Vorsicht zu lesen. Die hier genannten Werte dienen der Information und ersetzen keine Rechts- oder Steuerberatung.

Häufige Fragen

Wie groß ist der Glücksspielmarkt in Deutschland?

Nach dem Zwischenbericht der Länder vom 31. Januar 2024 betrug der Bruttospielertrag 2022 insgesamt 13,3 Mrd. €, davon 12,5 Mrd. € bei erlaubten Anbietern. Neuere Zahlen zum Gesamtmarkt sind nicht veröffentlicht. Die Einsätze im Marktmonitor der GGL beschreiben nur einen Ausschnitt und eine andere Größe.

Was ist der Unterschied zwischen Spieleinsatz und Bruttospielertrag?

Der Spieleinsatz ist das gesamte gesetzte Geld, einschließlich erneut gesetzter Gewinne. Der Bruttospielertrag ist, was nach Auszahlung der Gewinne beim Anbieter verbleibt. Einsätze sind deshalb immer höher als der Bruttospielertrag und kein Maß für die Verluste der Spieler.

Wie viel Geld wird in Deutschland beim Online-Glücksspiel eingesetzt?

Bei den Glücksspielen in der Zuständigkeit der GGL wurden 2025 online 11.558 Mio. € gesetzt (eigene Berechnung auf Basis des Marktmonitors). Das sind rund 84 Prozent aller dort erfassten Einsätze. Online-Casinospiele mit Landeserlaubnis und unerlaubte Angebote sind darin nicht enthalten.

Wie hoch ist der Anteil des unerlaubten Glücksspiels in Deutschland?

Im Gesamtmarkt lag er 2022 bei rund 6 Prozent des Bruttospielertrags. Im Online-Segment waren es 2024 laut einer Studie im Auftrag der GGL 22,97 Prozent. Beide Werte messen verschiedene Märkte und bilden keine Zeitreihe. Einen Wert für 2025 hat die GGL nicht veröffentlicht.

Wie viele Menschen in Deutschland haben eine Glücksspielstörung?

Laut Glücksspiel-Survey 2025 erfüllen 2,2 Prozent der 18- bis 70-Jährigen die Kriterien einer Glücksspielstörung, weitere 5,5 Prozent spielen riskant. Eine absolute Zahl nennt die Studie nicht. Beratung bietet das BIÖG kostenlos und anonym unter 0800 1 37 27 00.

Welches Glücksspiel spielen die meisten Menschen in Deutschland?

Lotto 6aus49. Laut Glücksspiel-Survey 2025 haben 18,3 Prozent der Befragten in den zwölf Monaten vor der Befragung daran teilgenommen. Es folgen Rubbellose mit 8,4 Prozent. Sportwetten mit festen Quoten kommen auf 2,6 Prozent, Online-Automatenspiele auf 0,7 Prozent.

Warum gibt es keine aktuellere Glücksspiel-Statistik zum Gesamtmarkt?

Den Bruttospielertrag aller Glücksspielformen haben die Länder zuletzt für 2022 ausgewiesen. Der Marktmonitor der GGL erscheint zwar vierteljährlich, erfasst aber nur Einsätze bei Glücksspielen in ihrer Zuständigkeit. Eine vollständige Marktzahl für spätere Jahre lag am 24. September 2026 nicht vor.

Quellen